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Resonanzen des Virtuellen

Musikalische Kinematographik I 

Cellistische Aktualisierung, 2019
Musikalische Kadrierung, 2019
Resonanzen des Virtuellen, 2019
Die Dissertation Resonanzen des Virtuellen befasst sich mit einer philosophischen Analyse der musikalischen Bewegung. Diese wird schlussendlich ‚Musikalische Kinematographik‘ genannt, was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen mag. Der Begriff des Kinematographischen ist bislang ausschließlich für optische Medien reserviert worden, seit ihn die Gebrüder Lumière 1895 mit dem Nachdruck ihres Nachnamens in die Geschichte der technischen Innovationen visueller Kommunikation eingetragen haben. Wenn von ‚Kinematographie‘ die Rede ist, sind daher in der Regel Apparaturen gemeint, die zur Aufzeichnung und Wiedergabe in Bewegung versetzter Bilder dienen. Die Musik jedoch – so lautet die These, die in der Arbeit ausgeführt wird – ist nicht weniger kinematographisch als das Kino. Im Gegenteil: Auch sie schöpft ihre Wirksamkeit aus einer Vielfalt von Bewegungseinschreibungen und -transformationen, die nach einer Vervielfältigung und Ausweitung kinematographischer Termini verlangt.

1895 wurde in Paris nicht nur der erste Kinematograph der Öffentlichkeit vorgestellt. Henri Bergson hat in diesem Jahr auch weite Teile seines Buches Matière et Mémoire verfasst, das der philosophischen Frage nach der Bewegung – unter anderem durch einen ungewöhnlichen Begriff des ‚Bildes‘ – eine bis heute anhaltende Unruhe eingeschrieben hat. Gilles Deleuze hat diese Unruhe in seinen Kino-Büchern Das Bewegungs-Bild und Das Zeit-Bild zu einer Ontologie des Virtuellen ausbuchstabiert. Diese Gedankenbewegung soll nun fortgesetzt werden und in der Musikästhetik Resonanzen ausbilden.

Die musikalische Kinematographik lässt sich nicht abstrakt bestimmen, sondern muss in der musikalischen Praxis selbst freigelegt werden. Im ersten Teil der Arbeit geschieht das im Rahmen von ‚cellophilosophischen‘ Studien, die sich auf das musikalische Basismaterial des Tons konzentrieren. Im zweiten Teil wird das Problem der musikalischen Kinematographik ausgehend von einer Analyse des orchestralen Aktes gestellt und mit Blick auf Begriffe Bergsons und Deleuzes terminologisch geschärft. Der dritte Teil der Arbeit ist schließlich einer Reihe von Einzelanalysen und Fallstudien gewidmet, die die musikalische Kinematographik auflösen und zerstreuen.

Benjamin Sprick war zeitweilig Stipendiat des Graduiertenkollegs Ästhetiken des Virtuellen | Datum der Disputation: 18. Februar 2019
Examensarbeit, 2019
Künstler/in:
Benjamin Sprick
Promotion an der HFBK seit 2018
Abschluss 2019
Betreuung HFBK:
Prof. Dr. Hans-Joachim Lenger, Prof. Dr. Michaela Ott
Studienschwerpunkt:
Theorie und Geschichte
Kategorie:
Kunstgeschichte/Kunsttheorie > Sonstiges
Kunstgeschichte/Kunsttheorie > Medientheorie
Kunstgeschichte/Kunsttheorie > Kunstwissenschaft