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Deutschland treu zu dienen

Gespräche mit Soldaten 

»Deutschland treu zu dienen«, 2015–2016, Ausstellungsansicht; Foto: Edward Greiner
»Deutschland treu zu dienen«, 2015–2016, Ausstellungsansicht; Foto: Edward Greiner
»Zukunft«, 2016, C-Print, 24 × 18 cm; Foto: Edward Greiner
Kriege sind wieder normal. Hinter dem Schleier globaler Komplexität scheinen sie entrückt, sie spielen sich in der Ferne ab und bekämpfen dort das Fremde. Die Angst vor dem Krieg hat nachgelassen, dabei ist das Geschehen vor Ort heute vermutlich konfuser und brutaler als uns die Nachrichtenbilder vorführen. Bildgewaltige Nahaufnahmen strahlen in den öffentlichen Raum und zerfallen in der Masse. Wir glauben, die Soldaten und ihre Mission gut zu kennen. Gleichzeitig wird uns Betrachtern versichert, den Raum der Bilder selbst nicht zu teilen und in Sicherheit zu sein. Drei Jahrtausende lang war der Krieger der große Beweger der Weltgeschichte, das Objekt von Angst und Bewunderung. Ich möchte diejenigen verstehen, die sich entschieden haben, den Krieg auszutragen — obwohl in der Gesellschaft, die sie entsendet, meist nicht mehr ihr Mut bewundert, sondern ihre Traumata bedauert werden.

Für meine Abschlussarbeit habe ich mit Soldaten gesprochen und Menschen kennengelernt, die eher an den Frieden glauben als an den Krieg. Die sich durchaus vor dem Einsatz fürchten und trotzdem bereit sind, sich für ihn zu engagieren. Manchmal aus Idealismus und manchmal, weil sie sich nach Abenteuern sehnen. Oder nach finanzieller Sicherheit. Beides bietet die Armee. Menschen, die sich Gedanken machen über Gehorsam, Kampfgeist, Stolz, Moral und die eigene Mission, über den eigenen Tod und den Tod von anderen. Menschen, die Verantwortung übernehmen, wenn sie Befehlen folgen. Die tätig werden wollen und so zu Tätern werden. Manche meiner Fragen ziehen eine Grenze zwischen ihnen und mir und manche ihrer Antworten lösen diese Grenze auf. Warum werden Menschen Soldaten, tragen Waffen und ziehen in den Krieg? Der Abstand hat sich verringert, mein Misstrauen ist geblieben.
Master-Abschlussprojekt, 2015-2016
Künstler/in:
Frieder Oelze
Master of Fine Arts an der HFBK seit 2013
Abschluss 2016
Website: http://www.madsmelling.com
Betreuung HFBK:
Prof. Ingo Offermanns, Prof. Dr. Michael Diers
Studienschwerpunkt:
Grafik/Typografie/Fotografie
Kategorie:
Grafik > Typografie
Grafik > Buch/Publikation
Fotografie > Fotoarbeit