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Sinus Linguistik

 

Susanne Stroh, »Sinus Linguistik«, 2012, Ausstellungsansicht; Foto: Ulla Deventer
Susanne Stroh, »SINGEN«, 2012, Messingobjekt in Holzschatulle, 20 × 28 × 2,5 cm; Foto: Ulla Deventer
Susanne Stroh, »Was es ist (Fried 1983)«, 2012, Grafit auf Papier, 8,5 × 85,5 cm
In einer Art mathematischer Poesie entwickelt Susanne Stroh anhand von unterschiedlichen Zahlensystemen eine abstrakte Grundlage für die Visualisierung von Wörtern oder Texten. Ihre Diplomausstellung Sinus Linguistik umfasste Arbeiten, die auf dem Prinzip der Kartesischen Schrift basieren.

Mithilfe dieser selbst entwickelten Kodierung, in der Wörter anhand von Vektoren errechnet werden, untersucht Stroh die Bedeutung von Zeichensystemen als Grundlage der Kommunikation. Die abstrakten Gebilde, in denen der Betrachter bereits eine Systematisierung erkennen kann, offenbaren sich ihm erst als Wort, wenn er sich ein Quadrat vorstellt, an dem an jeder Seite Punkte in gleichmäßigen Abständen das lateinische Alphabet markieren. In diesem Viereck werden nun, je nachdem welcher Begriff dargestellt ist, die verschiedenen Buchstaben im Uhrzeigersinn verbunden. So entsteht eine Zeichnung, die teils wie ein Symbol für die genannten Wörter erscheint und anderenteils auch eine selbstständige Ästhetik als geometrische Konstruktion entfaltet.

Da die Reihung der Buchstaben von A bis Z sich stets wiederholt, erhält man für jede Buchstabenkombination einen eigenen Winkel. Dessen Position variiert jedoch und ist durch die Reihenfolge der Zeichen im Wort definiert. Die Linienkombination des Wortes »Mut« wiederholt sich beispielsweise in dem Wort »Demut«, so wie sich auch die Winkel der Wörter Singen und Dinge in der Buchstabenfolge »inge« wiederholen. Da diese Wörter sich aus mehr als vier Buchstaben zusammensetzen, entstehen hier weitere Überscheidungen der Linien, die sich aus dem erneuten Verbinden in der beschriebenen Vorgehensweise ergeben.

In der dreidimensionalen Darstellung des Begriffs, wie sie in den ausgestellten Messingobjekten gegeben ist, entsteht nun aus längeren Worten eine Art Lauttunnel, dessen Klang durch die Länge der einzelnen Stäbe sowie durch deren Kontaktpunkte beeinfl usst wird. Die Wörter, die für diese experimentellen Musikinstrumente verwendet wurden, tauchen ebenfalls in Rilkes Gedicht »Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort« auf, das als Zeichnung an der Wand neben den Objekten hängt.
Diplomprojekt, 2012
Künstler/in:
Susanne Stroh
Diplomstudium an der HFBK seit 2005
Abschluss 2012
Betreuung HFBK:
Prof. Andreas Slominski, Prof. Dr. Michael Diers
Studienschwerpunkt:
Bildhauerei
Kategorie:
Kunstgeschichte/Kunsttheorie > Sonstiges
Installation > Sonstiges
Bildhauerei > Sonstiges