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Das Souvenir

 

Christin Kaiser, »Das Souvenir«, 2012, Installationsansicht (Foto: André-Alexander Giesemann)
Christin Kaiser, »Das Souvenir«, 2012, Installation, Detailansicht (Foto: André-Alexander Giesemann)
Christin Kaiser, »Das Souvenir«, 2012, Installation, Detail Stocknagel (Foto: André-Alexander Giesemann)
Im Zentrum eines mit Wasser gefüllten Raumes liegt eine Insel. Diese Insel besteht aus einzelnen Holzkuben, die mit Stoff bezogen sind. Diese haben ihren formalen Ursprung in Vitrinen-Architekturen, wie man sie aus archäologischen Sammlungen und kunsthistorischen Museen kennt. Auffällig ist, dass die Kuben nicht recht zusammenpassen. Zwischen ihnen tun sich Lücken auf, oder sie sind ungelenk ineinander verzahnt und erzeugen schattige Unterhöhlungen. Trotzdem ergeben sie zusammengestellt und vom Wasser umgeben das Bild einer steinernen, architektonisch anmutenden Insel.

Genau wie diese konstruierte Insel funktioniert auch das menschliche Gedächtnis, dessen Funktionsweise immer mit dem Prozess des Ein-Bildens verbunden ist. Im Gedächtnisspeicher wird ein Bild erzeugt, das, fragmentarisch zusammengesetzt, ein Ganzes ergibt und Erinnerungsbild für ein Ereignis ist. Dieses Einbild wird zum Abbild einer Erinnerung.

Auch eine Insel ist nur als Bild wahrnehmbar. Solange man sich auf einer Insel aufhält, gibt es keine Gewissheit, ob man sich tatsächlich auf einer Insel befindet. Die räumliche Entfernung ist notwendig, um eine Insel zu erkennen. So ist auch die inselartige Skulptur nicht umgehbar, sondern nur von einem Steg aus der Distanz als Bild zu betrachten, unerreichbar, wie die Erinnerung an etwas Vergangenes.

Auch ein herkömmliches Souvenir soll als stark komprimiertes Bild eine Gedächtnisstütze sein. Reduziert auf ein einfaches Abbild, ist es gleichzeitig ein Schritt zum Vergessen, und trotzdem giert der Mensch nach Souvenirs, selbst gemachten, wie etwa Fotografien, oder gekauften, wie Schlüsselanhängern, wenn er etwa auf Reisen ist, da er unaufhörlich dem Vergessen entgegenarbeitet.

Christin Kaiser ließ für ihre Installation »Das Souvenir« Stocknägel mit dem Motiv ihrer Insel prägen, die vor dem Ausstellungsraum in einer Vitrine präsentiert wurden und erworben werden konnten. Der adäquate Wanderstab lehnt De-Chiricogleich als Verweis auf die Abwesenheit des reisenden Menschen an der minimalistischen Skulptur.
Diplomprojekt, 2012
Künstler/in:
Christin Kaiser
Diplomstudium an der HFBK seit 2005
Abschluss 2012
Betreuung HFBK:
Prof. Jutta Koether, Prof. Dr. Michael Diers
Studienschwerpunkt:
Bildhauerei
Kategorie:
Installation > Rauminstallation
Bildhauerei > Sonstiges