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Inside Out

 

Susanne Bartsch, Inside Out, 2010, Installation, verschiedene Materialien, Videostill
Susanne Bartsch, Inside Out, 2010, Installation, verschiedene Materialien, Raumansicht
Körper und Raum: performatives, improvisiertes Füllen des nicht Ausgefüllten

Es beginnt mit einer Tabula rasa. Der Blick fällt auf die Projektion einer kahlen Wand, wie ein dreifaches Fenster unterteilt. Dann tauchen von unten Körper auf, zwei Frauen in gegürteten Tuniken, rosa und und gelb. Man beobachtet sie während einer Kontaktimprovisation, einer Tanzform, in deren Verlauf die beiden Körper sich aneinander reiben, sich tragen, aufeinander einwirken und auf den anderen reagieren.

Erst jetzt wird klar, dass es sich bei dem dreigeteilten Bild um drei leicht versetzte Perspektiven auf die gleiche Szene handelt. Der rechte Ausschnitt zeigt vor allem die Tänzerin im rosafarbenen Kleid, der linke Bildausschnitt die gelb gewandete Künstlerin. Im Mittelbild erscheinen beide zugleich.

Beide Tänzerinnen – Susanne Bartsch und Jenny Haack – sehen sich durch die Kleidung ähnlich, fast wie Schwestern. Über Druck und Gegendruck, Schieben und Nachgeben, über das Aufnehmen der Impulse, das Umlenken der Kraft, das Verwandeln und Zurückgeben von Energie entsteht ein Dialog, eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Leib, dem Leib der anderen und dem Raum, der sie aufnimmt, mit der Rückwand, die begrenzt und einfasst.

Es geht um das Austesten von Grenzen, das Austasten, das Austanzen. Im Verlauf der Performance wird deutlich, dass Grenzen erst im Überschreiten fühlbar werden. Auch der Körper ist ein Raum, der abgegrenzt, aber nicht unzugänglich ist. Wenn Ohren aus den Haaren ausgegraben werden oder an Lippen gezupft, dann rücken diese Kontaktzonen zwischen innen und außen in den Fokus. Es zeigt sich: Im Ausreizen der Grenzen werden diese nicht nur spürbar, Grenzen entstehen überhaupt erst im Augenblick der Berührung.

Die Installation übersetzt die Körperbeziehung der Tanzimprovisation in eine räumliche Konstellation. Das gefilmte Triptychon wird gespiegelt und verdoppelt; die Rückwand der Filmebene mit je einer Zimmerwand identifiziert. Die Nagelpolster der im Präsentationsraum aufgestellten Sitzbänke machen den Zuschauern die eigene Körperbegrenzung direkt fühlbar.

Susanne Bartsch ruft damit nicht nur künstlerische Fragen einer Ästhetik jenseits medial definierter Genres auf, sie berührt auch soziale Praktiken und politische Themen, die von hochbrisanter Aktualität sind. (Friedrich Weltzien)
Diplomprojekt, 2010
Künstler/in:
Susanne Bartsch
Diplomstudium an der HFBK seit 2004
Abschluss 2010
Betreuung HFBK:
Prof. Matt Mullican, Prof. Dr. Michaela Ott
Studienschwerpunkt:
Bildhauerei
Kategorie:
Installation > Videoinstallation
Installation > Rauminstallation