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Critical Crane

Ein Interview 

Greta Brix, Komm in die Gänge, 2010
Greta Brix, Critical Crane, 2010, PVC, Beton und Poppnieten
Greta Brix, Critical Crane, 2010
Reporterin: Wie kommt es, dass ein Baukran wie Sie die Baustelle verlässt und lieber als Lampe im geschlossenen Raum steht?

Critical Crane: Ich hatte keine Lust mehr, draußen die Drecksarbeit der Hamburger Politik auszuführen. Deshalb habe ich gekündigt und mich umgeschult. Das war eine gute Entscheidung. Obwohl ich nun in einem geschlossenen Raum stehe, fühle ich mich freier als je zuvor. An schwere Last bin ich als Kran gewohnt. Das ist mein Alltag. Doch die Last der Schuld, an einer schrecklichen Entwicklung beteiligt zu sein, ist von mir gefallen. Seit dieser Entscheidung fühle ich mich unbeschwerter und glücklicher.

Reporterin: Das ist schön zu hören! Von welcher schrecklichen Entwicklung sprechen Sie?

Critical Crane: Hamburg ist voller Masterpläne. Die Stadt rüstet sich, um im Wettbewerb der Städte mithalten zu können, und das im hohen Tempo ohne Kompromisse. Um diese Pläne durchzubringen, wird gelogen und betrogen. Wir Kräne unterhalten uns viel über diesen Wahnsinn. Wirklich tun können wir aber nichts dagegen.

Reporterin: Deshalb haben Sie sich entschlossen, der Baustelle den Rücken zu kehren?

Critical Crane: Ja! Ich bin ein sehr kritischer Kran. Als Kran hat man den Überblick. Man befindet sich über den Dingen und ragt über sie hinaus. Von da oben habe ich viel Erschreckendes gesehen. Die Missstände dieser Stadt haben mich krank gemacht. Jetzt habe ich eine Lösung gefunden. Als Lampe möchte ich Licht ins Dunkle bringen und bei wichtigen Entscheidungsträgern für Erleuchtung sorgen.

Reporterin: Wo wollen Sie damit anfangen?

Critical Crane: Ich persönlich glaube an freie Kultur. Etwas, das in Hamburg immer weniger vorhanden ist. Die Hamburger Kulturpolitik setzt ihr Geld immer stärker dafür ein, eine Turbogentrifizierung zu betreiben. Freie Kunst ist immer weniger möglich. Geld fließt nur da, wo es die Masterpläne unterstützt und ankurbelt. Es geht nicht um Kunst, sondern darum, ein Event zu schaffen und bestimmte Leute anzulocken, die den Stadtteil aufwerten sollen. Das ist für mich keine Kultur, sondern Marketing. Das ist keine Qualität, sondern stumpfe Ausbeutung von wertvollen Ressourcen, aus denen viel Wertvolleres entstehen könnte, wenn sie frei und unabhängig wären. Kurz: Es ist zum Kotzen, was in dieser Stadt abgeht! Ich werde mich in die Hochschule für bildende Künste in Hamburg stellen, die eine Basis für freie Kunst ist. Leider ist auch dieser Ort immer stärker von Marketing-Interessen belastet. Dort möchte ich versuchen, das Schlimmste zu verhindern.

Reporterin: Das hört sich doch vielversprechend an. Es ist toll, einen kritischen Kran, wie Sie einer sind, kennengelernt zu haben. Von ihrer Sorte müsste es mehr geben! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem neuen Lebensweg. Ich bedanke mich für dieses Gespräch!

Critical Crane: Ich bedanke mich für Ihr Interesse und verbleibe mit den besten Empfehlungen: Komm in die Gänge!!!
Diplomprojekt, 2010
Künstler/in:
Greta Brix
Diplomstudium an der HFBK seit 2003
Abschluss 2010
Betreuung HFBK:
Prof. Ralph Sommer, Prof. Glen Oliver Löw
Studienschwerpunkt:
Design
Kategorie:
Design > Sonstiges